
Wer am Hafen von Sivota steht, könnte für einen Moment vergessen, dass er sich auf dem griechischen Festland befindet. Vor der Küste liegen kleine grüne Inseln im Ionischen Meer, Segelboote ziehen langsam zwischen den Buchten hindurch und das Wasser wechselt seine Farbe von tiefem Blau zu leuchtendem Türkis.
Sivota ist kein Ort, den man nur von der Strandliege aus verstehen kann. Seine eigentliche Schönheit zeigt sich auf dem Wasser. Erst wenn das Boot den Hafen verlässt und zwischen den Inseln hindurchfährt, wird sichtbar, was diese Region im Epirus so besonders macht.
Das andere Griechenland
Der Epirus wird häufig mit Bergen, Flüssen, alten Steinbrücken und ursprünglichen Dörfern verbunden. Doch ganz im Westen trifft diese raue, grüne Landschaft auf das Ionische Meer.
Sivota liegt in der Region Thesprotia, nicht weit von Igoumenitsa entfernt. Das ehemalige Fischerdorf hat sich zu einem beliebten Ferienort entwickelt, ohne seine überschaubare Größe vollständig zu verlieren.
Direkt vor der Küste liegen die vier unbewohnten Inseln Agios Nikolaos, Mavro Oros, Megalo Mourtemeno und Mikro Mourtemeno. Gemeinsam mit den kleinen Buchten und der üppigen Vegetation lassen sie Sivota eher wie eine Inselwelt als wie einen Ort auf dem Festland erscheinen.
Der Morgen beginnt am Hafen
Am schönsten ist der Hafen am frühen Morgen. Noch bevor die Promenade lebendig wird, liegen die Boote ruhig im Wasser. In den Cafés werden die ersten Kaffees serviert und langsam beginnen die Vorbereitungen für die Ausflüge des Tages.
Wer Sivota wirklich kennenlernen möchte, sollte mindestens einmal ein kleines Boot mieten oder an einer Bootstour teilnehmen. Viele Buchten sind vom Land aus nur schwer oder überhaupt nicht erreichbar.
Sobald man den Hafen hinter sich lässt, beginnt ein anderer Reisetag: ohne Straßen, ohne Parkplatzsuche und ohne festen Zeitplan. Man fährt dorthin, wo das Wasser besonders klar aussieht, ankert in einer kleinen Bucht und springt direkt vom Boot ins Meer.
Pisina: Schwimmen in einem natürlichen Pool
Eines der bekanntesten Ziele rund um Sivota ist der Strand Pisina auf der Insel Agios Nikolaos. Sein Name bedeutet übersetzt „Schwimmbecken“ – und genau so wirkt das Wasser an ruhigen Tagen.
Die Bucht ist nur mit dem Boot erreichbar. Das Wasser ist transparent und leuchtet je nach Tageszeit türkis oder smaragdgrün. Da Pisina kein klassisch organisierter Strand mit einer langen Reihe von Liegen und Sonnenschirmen ist, sollte man Wasser, Sonnenschutz und alles Notwendige selbst mitnehmen.
Gerade in den Sommermonaten ist die Bucht beliebt. Wer sie ruhiger erleben möchte, startet möglichst früh am Morgen oder kommt außerhalb der Hauptreisezeit.
Bella Vraka: Zu Fuß auf eine Insel
Bella Vraka bietet ein Erlebnis, das selbst für Griechenland ungewöhnlich ist. Der Strand liegt auf der kleinen Insel Mourtemeno und ist durch einen flachen Abschnitt des Meeres mit dem Festland verbunden.
Um die Insel zu erreichen, geht man einfach durch das Wasser. Je nach Wasserstand reicht es ungefähr bis zu den Knien oder etwas höher. Strandtasche und Schuhe werden dabei am besten über dem Kopf oder in einer wasserfesten Tasche transportiert.
Auf der anderen Seite wartet keine spektakuläre Inszenierung, sondern eine kleine Bucht mit hellem Strand, grünem Schatten und ruhigem Wasser. Genau diese Einfachheit macht den Ort besonders.
Nicht jeder schöne Strand braucht ein Boot
Auch rund um Sivota gibt es Strände, die mit dem Auto oder zu Fuß erreichbar sind. Mega Ammos und Mikri Ammos gehören zu den bekannteren Möglichkeiten südlich des Ortes. In der Saison findet man dort Liegen, Sonnenschirme und gastronomische Angebote.
Zavia liegt näher am Ort und eignet sich gut für einen entspannten Badetag. Auch Gallikos Molos, Mega Drafi und Agia Paraskevi zeigen, wie abwechslungsreich die Küste von Thesprotia ist.
Wer etwas weiter in Richtung Perdika fährt, entdeckt mit Karavostasi und Arillas weitere eindrucksvolle Strände. Es lohnt sich deshalb, Sivota nicht als einzelnes Ziel zu betrachten, sondern als Ausgangspunkt für die gesamte Küstenregion.
Wenn das Boot wieder in den Hafen zurückkehrt
Am späten Nachmittag verändert sich Sivota. Die Ausflugsboote kehren zurück, die Hitze lässt langsam nach und an der Promenade füllen sich die Tische.
Jetzt beginnt der genussvolle Teil des Tages. In den Tavernen werden gegrillter Fisch, Oktopus, Garnelen und andere Meeresfrüchte serviert. Dazu kommen klassische Gerichte des Epirus, Salate, Gemüse, Käse und Fleisch aus der Region.
Sivota ist touristisch, besonders im Juli und August. Trotzdem findet man noch Orte, an denen ein Abend nicht aus Programm besteht, sondern aus gutem Essen, einem Glas Wein und dem Blick auf die Boote im Hafen.
Nach dem Essen gehört ein Spaziergang durch die kleinen Gassen dazu. Ein Eis auf die Hand, noch einmal hinunter ans Wasser und vielleicht ein letzter Drink in einer der Bars an der Promenade – viel mehr braucht es hier nicht.
Ein Ort für Menschen, die gerne unterwegs sind
Sivota eignet sich nicht nur für einen klassischen Badeurlaub. Der Ort ist ideal für Reisende, die jeden Tag eine andere Bucht entdecken möchten.
Von hier aus starten Ausflüge nach Paxos und Antipaxos. Auch Parga lässt sich mit einer Reise nach Sivota verbinden. Wer das Landesinnere des Epirus kennenlernen möchte, kann einen Ausflug zum Fluss Acheron oder zu historischen Orten der Region unternehmen.
Damit bietet Sivota eine seltene Mischung: morgens mit dem Boot durch das Ionische Meer fahren, am nächsten Tag durch eine Flusslandschaft wandern und am Abend wieder am Hafen sitzen.
Wann ist die beste Reisezeit für Sivota?
Im Juli und August ist Sivota lebhaft und entsprechend gut besucht. Wer den Ort ruhiger erleben möchte, reist im Juni oder September.
Gerade der Spätsommer passt besonders gut zu Sivota. Das Meer ist noch angenehm warm, die Tage sind sonnig und auf den Stränden und in den Buchten wird es langsam entspannter.
Auch Bootstouren fühlen sich dann weniger nach Hochbetrieb und mehr nach Entdeckung an. Restaurants und Unterkünfte sind weiterhin geöffnet, doch der Ort findet allmählich zu einem ruhigeren Rhythmus zurück.
Warum Sivota in Erinnerung bleibt
Es ist nicht nur die Farbe des Wassers. Es sind die vielen Wechsel zwischen Festland und Inselgefühl, zwischen grüner Landschaft und offenem Meer.
Sivota muss sich deshalb auch nicht ständig als „Karibik Griechenlands“ bezeichnen lassen. Der Ort ist interessant genug, wenn man ihn als das betrachtet, was er wirklich ist: eine kleine ionische Inselwelt vor der Küste des Epirus.
Ein Ort für Tage auf dem Boot, für versteckte Buchten und für Abende, an denen man länger am Hafen sitzen bleibt als ursprünglich geplant.