GREEK CUISINE MAGAZINE

Schönheiliges Santorini

2222 Kilometer bis zur schönheilig wilden Irene

Wild und schön.

Kalliste. Die Schönste. So nennt man sie in der griechischen Sprache, diese eigenartige Inselformation, doch ihre mystische Entstehungsgeschichte scheint weniger poetisch. Euphemos, Sohn des Poseidon, warf demnach einfach einen Klumpen Erde ins ägäische Meer. Die Phönizier sprachen von ihr als Thera – die Wilde. Für die Venezianer wiederum war sie eine Heilige, Santa Irene. Viele Völker begehrten sie, neben Phöniziern und Venezianern wurde sie auch von Osmanen, Minositern und einigen anderen besiedelt. Was den westfälischen Reisenden nach der Überquerung von exakt 2222 Kilometern Luftlinie von Düsseldorf indes erwartet, ist beides. Wild und schön, so der erste Anblick über den sonnenbeschienenen Flügel des Flugzeugs. Wie ein aufgerissenes Tiermaul, das vier feine Happen verschlingt, so liegen die santorinischen Inseln inmitten der Ägäis und bilden einen Teil der zauberhaften Kykladen. Für nicht wenige ist diese fünfteilige Anordnung eine der interessantesten Urlaubsregionen der Welt. Faktisch belegt ist, dass Santorin mit den meisten Sonnenstunden Griechenlands aufwartet, in den Sommermonaten gibt es durchschnittlich jeweils nur einen einzigen Regentag.
Das genießen neben den begeisterten Touristen auch etwa einhundert verschiedene Vogelarten sowie eine seltene Mauereidechse. Typische Fotos, die in Prospekten und auf Plakaten exemplarisch für Griechenland stehen, sind ausgesprochen häufig welche, die auf Santorin gemacht wurden. Meer und Himmel erfüllen hier sämtliche Ansprüche an natürlicher Idylle, die gleißend weißen Häuser an den Hängen vervollkommnen diesen Eindruck. Optisch ist die wilde Anordnung von immensem Reiz und bietet Fotomotive en masse. Eine Bildbearbeitung am Computer braucht es nicht. Unwirklich schneeweiß blitzen die Häuser von Fira vor dem 300 Metern hoch aufragenden,
schwarzen 
Kraterrand.

Hier machen die Götter Urlaub.

Hier machen die Götter Urlaub, wenngleich sie nicht die bequeme Freude der herrlichen Seilbahn heutiger Tage hatten, die müde Wanderer sanft befördert. Der Blick von der Kante des Kraters über die Caldera, einem Kessel vulkanischen Ursprungs, ist zum Seufzen schön. Der Vulkan, den sie einst bildete, ist beim letzten Ausbruch vor dreieinhalb tausend Jahren in sich zusammengefallen. Das Wilde eines drohenden Ausbruchs verging, die Schönheit indes blieb. Die typisch kykladische Architektur besteht aus der sogenannten agglutierenden Bauweise, was bedeutet, das je nach Bedarf kubische Räume an und ineinander gefügt werden. Dadurch entstanden unregelmäßige Straßen, Plätze, Ecken und Winkel, verbunden durch Treppen, Terrassen und Höfe. Diese Bauweise hat Vorteile im Inselklima, die verwinkelten Gassen schützen Mensch und Tier vor Sturm und Sonneneinstrahlung. Noch heute wird das meiste Baumaterial via Esel an die Baustellen verbracht, größerem Gerät verbieten die geologischen Gegebenheiten die Zufahrt. Auch das macht den eigenen Charme von Santorin aus, denn Großbauten, hinlänglich bekannt aus typischen Inseln iberischer Zuordnung, sucht man hier vergebens. Doch für Gegensätze ist dennoch Raum, die Ortschaft Pyrgos zum Beispiel hat als ehemalige Hauptstadt in der osmanischen Ära seinen mittelalterlichen Charme bewahrt und widerspricht baulich den weißen Kuben und zeugt so vom geschichtlichen Facettenreichtum der wechselnden Bewohner. Santorin empfing sie alle und blieb sich selbst dennoch dabei treu.
Bäume sind eine echte Seltenheit auf Santorin, der Anbau von Favabohnen, weißen Auberginen, Oliven, Pistazien sowie Tomaten dominiert die Agrarproduktion. Viele Gerichte des Archipels haben daher diese Früchte als Grundlage.

Den Sonnenuntergang erleben. 

Den Sonnenuntergang vom Bergdorf Oia zu erleben und dabei die gefüllten Weinblätter Dolmadakia, den festen Käse Saganaki mit Meeresfrüchten und Stifado zu schlemmen, einem kräftigen Zwiebelgulasch in schwerem Rotwein, rundet den Abend zu einem hellenischen Sinnenfest der Extraklasse.  Eine besondere Spezialität darf natürlich auf dem karierten Tischtuch nicht fehlen! Santorin ist ein vielbeachtetes Weinbaugebiet, welches über das griechische Qualitätsprädikat OPAP verfügt. Bemerkenswert ist, dass die Weinstöcke hier nicht wie üblich in die Höhe gezogen sind, sondern am Boden zu runden Kränzen zusammengeflochten werden, um sie vor dem Austrocknen auf dem besonderen vulkanischen Bimssteinboden zu bewahren. Diese spezielle Anbauart gebiert ganz besondere Rebensäfte. Als zwei Ergebnisse dessen lassen sich ein sortenreiner, trockener Weißwein aus der Assyrtiko empfehlen, der als „Santorini“ angeboten wird sowie der tiefrote „Nama“, welcher schwer und süß die Sonne über den Kykladen in sich aufgesogen zu haben scheint. Zum Abschluss des Gourmetfestes empfiehlt sich natürlich Galaktobureko, ein regelrechtes Strudelteigwunder mit Grießfüllung. Diese himmlisch süße Köstlichkeit verleiht Schwung für viele Ausflüge. Zum Beispiel zum pittoresken Hafen Skala, der Festung Skaros mit dem höchsten Punkt der Inseln oder dem Kloster Agios Nikolaos, wo von den dortigen Nonnen wertvolle Ikonen aufbewahrt werden. Der Steilküstenweg von Fira nach Ia erfordert Trittsicherheit, erlaubt dafür dem Wanderer aber kontemplative Entspannung in unvergleichlicher Umgebung. Auch für den morgendlichen Lauf an der Meereskante bieten sich spannende Kontraste, so markiert ein faszinierend schwarzer Sandstrand die Grenze der Orte Kamari und Perissa, während der Strand von Monolithos seidenweiße Körnung bereithält. Ob Architektur, Weinanbau oder Strände, die Kalliste legt sich eben nie fest, heißt alle willkommen, unterwirft sich jedoch letztlich niemandem.

Für Surfer ein wahres Eldorado 

Das gilt auch außerhalb ihres steinigfesten Bodens. Für Surfer bildet das ägäische Meer ein wahres Eldorado, scharfe Winde und herausfordernde Wellen locken etliche Wellenreitern jedes Jahr an. Ob wandern oder surfen, Sport macht hungrig und auf der Hauptinsel werden derlei Gelüste fabelhaft bedient, wobei in einer Reihe von ausgezeichneten Restaurants nicht nur der Magen opulent beschenkt wird, sondern zudem auch die Augen.
Atemberaubend weite Aussichten über die Meereswogen und die benachbarten Inseln bieten zum Beispiel das Restaurant „Sphinx“, das „Canaves“ oder das “Feredini“. Wer hier den Sonnenuntergang erleben darf, fühlt, was er nicht über den Kopf erfahren kann – Das Wilde, das Schöne, das Heilige von Santorin. Bei Oliven und Metaxa erliegt der Reisende in der Dämmerung zwischen Tag und Nacht endgültig der Kalliste.
Und wem in diesem Artikel ein -i- fehlt, von der schönheilig Wilden als „Santorini“ spricht, dem sei es gegönnt, ist diese kleine Endung doch schlicht ein Ausdruck von Zuneigung. Wer mag es verdenken, niemand entzieht sich dem eigenartigen Charme der heiligen Irene, versprochen…

Text & Bild: Michael Krakow, Pixabay, Canaves Oia Hotel

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